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Burgundy

Champagne Bollinger – die Magie des Pinot Noir

Einleitung  


Das traditionsreiche Champagnerhaus Bollinger steht seit 1829 für im Holzfass vergorene, körperreiche und komplexe Champagner von beeindruckender Struktur und Tiefe. Der Stammsitz liegt in Aÿ, genau dort, wo das südliche Reimser Gebirge ins Marne-Tal übergeht.  

Aÿ ist seit Jahrhunderten berühmt für seine großen Pinot Noirs, die als Stillweine einst am französischen Königshof so begehrt waren wie die besten Burgunder. Diese Rebsorte erreicht hier eine Reife, Kraft und Fülle, die in der gesamten Champagne unerreicht ist. Den starken Terroir-Charakter dieses Grand Crus verband Gründer Jacques Bollinger früh mit kühleren Pinot-Noir-Lagen aus Verzenay und den mineralisch-säurereichen Chardonnays der Côte des Blancs – eine Cuvée-Philosophie, die bis heute unverändert bleibt.

Der Bollinger-Stil – Kraft des Pinot Noir trifft auf Komplexität und Frische

 
Bollinger-Champagner sind geprägt von konzentrierten Pinot Noirs aus besten Lagen. Der Fassausbau bringt feine oxidative Noten, die an Walnuss und reife Äpfel erinnern. Mit zunehmender Reife entfalten sich Aromen von Nougat, Haselnuss, Schießpulver, Zitrus (insbesondere Orangen-Zesten) und getrockneter Aprikose. Das lange Hefelager sorgt für eine cremige Textur und eine ultrafeine Perlage.  

Die Kunst von Bollinger liegt in der perfekten Balance zwischen Kraft, Tiefe und mineralischer Frische. Schon Gründer Jacques Bollinger suchte gezielt kühlere Grand-Cru-Lagen in Verzenay und mineralische Chardonnays an der Côte des Blancs, um den Stil harmonisch auszubalancieren.  

Unter Kellermeister Denis Bunner wurde der Stil in den letzten Jahren etwas moderner: weniger oxidative Noten, etwas frischere Frucht und ein feinerer Gaumen – obwohl der 2015er wieder stark an den legendären 1976 erinnert.

Die großen Bollinger-Cuvées 

Special Cuvée 
Der Non-Vintage von Bollinger trug früher zu Recht den Namen „Special Cuvée“. In den letzten 20 Jahren wurde die Produktion stark ausgeweitet. Er ist längst nicht mehr so konzentriert und wird inzwischen größtenteils im Tank vinifiziert. Ein gut gemachter Champagner – für Kenner jedoch nicht mehr wirklich interessant.

La Grande Année – der Maßstab für Jahrgangs-Champagner


Bollingers Jahrgangs-Champagner gehört bis heute zu den ganz wenigen, die große Emotionen auslösen können. Während selbst traditionelle Häuser wie Krug zunehmend auf mehr Frucht und frühere Trinkbarkeit setzen, hält Bollinger mit La Grande Année an den alten Werten und Methoden fest.  

Durch den oxidativen Fassausbau zeigt sie schon jung komplexe, nussige Aromen. Das lange Hefelager sorgt für eine ultrafeine Perlage. Während es früher sieben Jahre dauerte, ging man beim 2008 auf neun Jahre und kürzte beim 2015 wieder auf sieben.

Die außergewöhnlich alten Kreideböden von Verzenay verleihen dem Wein eine ausgesprochene Frische und mineralische Note, die durch die geringe Dosage noch unterstützt wird. Die Säure ist jedoch nicht so intensiv wie bei Weinen mit höherem Chardonnay-Anteil aus der Côte des Blancs.  

Jung hat La Grande Année ein kurzes Trinkfenster, in dem die Hefelager-Aromen dominieren. Ihre raffinierten Reifearomen zeigt sie erst nach acht bis zwölf Jahren. Bei klassisch strukturierten Jahrgängen wie 1996 und 2008 kann es 20 Jahre dauern, bis sie ihre wahre Harmonie entfaltet.

La Grande Année Rosé

Bollinger  hat lange Jahre den Rosé nicht als einen ernsten Champagner für Kenner betrachtet. Gegenüber dem normalen weißen Jahrgangs Champagner war der Rosé immer weicher, fruchtiger, weniger komplex und strukturiert und nicht so entwicklungsfähig.

1985 ist der erste Jahrgang. 1996 und 2002 gehören zu den besten Jahrgängen. Der erste Rosé, der uns begeistert hat, ist der Jahrgang 2012. Zum ersten Mal erleben wir Frische auf dem Niveau des Weißen und 2012 sogar noch eine Nuance besser.

Die Entwicklung des Bollinger-Jahrgangs-Champagners

  • Bis 1982: Bollinger Vintage  
      Der Jahrgangs-Champagner von Bollinger heißt bis einschließlich 1982 „Bollinger Vintage“. Er wird nur in besonders guten Jahren produziert, in denen der Pinot Noir eine hohe Reife erzielt. Die Kapsel und das Etikett sind goldfarben.
  • Ab 1983: Bollinger Grande Année  
      1983 ist der erste Jahrgang unter dem neuen Namen „Grande Année“. Die Ausstattung bleibt fast unverändert. In den 1970er Jahren steigt die Champagner-Produktion stark und immer öfter werden Jahrgangs-Champagner deklariert. Mit „Grande Année“ betont Bollinger seinen hohen Qualitätsanspruch. Ab dem Jahrgang 1990 ist das Etikett weiß.
  • 1985: Der erste Rosé Jahrgangs Champanger 
  • Ab 1997: Bollinger La Grande Année
      Der Artikel „La“ stellt den exklusiven Charakter noch klarer heraus – es ist nicht nur ein großer Jahrgang, sondern **der** große Jahrgang. Das Etikett entspricht dem aktuellen Design.

Die großen Bollinger-Jahrgänge – Vintage und Grande Année  

  • 1830 Der erste Bollinger Vintage. Degorgiert 2016, eine von 15 verbleibenden Flaschen. Ein feiner Vin Jaune mit markanter Säure.
  • 1914 gilt als einer der großen Jahrgänge der Champagne. Bollinger entdeckte 2010 beim Renovieren Flaschen in einem wegen des Krieges zugemauerten Raum. Die Perlage ist fast vollständig verklungen, das Bouquet schokoladig und nussig, der Gaumen aber immer noch fruchtig. 

  • 1921  Hitzejahr mit außergewöhnlicher Reife. Heute Haselnüsse und Schokolade.  

  • 1924 Degorgiert 1969: Mango, Karamell und Haselnuss. Charmant und eher leicht.

  • 1928 Jahrhundertjahr. Bollingers Vintage zeigt noch tolle Perlage, Frucht und feine Süße.  

  • 1929 Üppig, weich mit Honig und Aprikosenfrucht.  

  • 1934 Super konzentriert, Haselnuss, Trüffel, Petrolton.  

  • 1937 Starke Röstnoten, getrocknete Aprikose, Waldpilze und Honig.  

  • 1945 Sauvage, Walderde, Nuss, reife Frucht, intensiv. Der beste Vintage?  

  • 1947 Hohe Reife und gute Struktur. Noch viel seltener als 1945.  

  • 1949  Kräftig und üppig, aber von Petrol- und Terpentinnote beeinträchtigt.  

  • 1952  Weinig, weich und mit Honignoten. Kein großes Erlebnis.  

  • 1953 Pinot-Noir-Bouquet, enorme Konzentration & Körper, Abgang mit Eichenfass-Rancio.  

  • 1955  Weit entwickelt. Theoretisch müsste er besser sein.

  • 1959 Kraftvoll, konzentriert, intensiv, groß.  

  • 1961 Sehr strukturiert, mineralisch, markante Säure – nicht auf dem Niveau des Jahres.  

  • 1962 Charmant, Vanille und Brioche-Aromen.  

  • 1964 Trüffel, Waldpilze, Haselnuss und Schokolade, sehr mineralisch und rauchig.

  • 1966 Mit 1945 der Höhepunkt. Sauvage, Walderde, Pilze, geröstete Haselnüsse.  

  • 1969 Schießpulver, Pilze, Walderde, klassischer reifer Pinot Noir.  1970** – Leicht, hat aber immer noch Frucht.  

  • 1973 Von allen alten Jahrgängen der mit den wenigsten Enttäuschungen. Groß!  

  • 1975 Reif, enorm viel Körper, Haselnuss und Kakao-Aromen.  

  • 1976 Enorme Reife, aber hohe Erträge und vorzeitig gealtert.  

  • 1979 Deutlich schwächer als der R.D. beim Vintage und nicht so frisch wie 1973.  

  • 1982 Rund und attraktiv, aber Bollinger hatte in den 70ern bis frühen 80ern Probleme.  

  • 1983 Starke Röstnoten, getrocknete Aprikose, Kaffee und Walnuss. Elegant und harmonisch.

  • 1985 Ein Gigant. Schokoladige, nussige Röstnoten begeistern mit großer Frische.  

  • 1988 Mineralisch und strukturiert, braucht aber noch Zeit. 

  • 1989 Starke Röstnoten, schon zu reif. Wie oft enttäuscht 1989.  

  • 1990 Üppiger, weicher Grande Année, der nicht restlos überzeugt.  

  • 1992 Schnell gereift, fruchtig, enttäuschend.  

  • 1995 Zitronige, cremige Eleganz, wunderbar, aber nicht ganz typisch.  

  • 1996 Power, intensive Säure, viel Struktur – noch ziemlich am Anfang.  

  • 1997 Apfel, Tabak, Schokolade, aber leicht.  

  • 1999 Ein ganz großer La Grande Année. Nussige Reife trifft auf Frische.  

  • 2000 Reif und verführerisch, aber nicht groß.  

  • 2002 Unglaublich üppig, mit intensiver Zitronenfrucht. Groß, aber jung.  

  • 2004 Jetzt in einem perfekten Trinkfenster – welche Harmonie von Frucht und Nuss.

  • 2005 Kann sehr schön sein, manchmal aber schon sehr nussig und oxidativ.  

  • 2007 Sehr attraktiv, mit Frucht, Schokolade und Waldboden.  

  • 2008 Groß. Mit langer Belüftung schon trinkbar, besser jedoch warten.  

  • 2012 Weniger klassisch und oxidativ. Besonders als Rosé groß.  

  • 2014 Moderner, wenig oxidativer, feiner Stil mit diskreter Holzwürze.  

  • 2015** – Unglaublich konzentriert und reif und dennoch ausgewogen.

 

Bollinger R.D. – Récemment Dégorgé 


Diese Cuvée geht auf eine Idee von Lily Bollinger in den 1960er Jahren zurück: die Reife eines älteren Jahrgangs mit der Frische eines frisch degorgierten Champagners zu verbinden. 1967 wurden gleich drei R.D.-Jahrgänge vorgestellt – 1952 für England, 1953 für Frankreich und die Schweiz, 1955 für die USA und Italien.  

R.D. basiert auf denselben Grundweinen wie La Grande Année, bleibt aber deutlich länger auf der Hefe und gewinnt dadurch noch mehr Komplexität und Seidigkeit. Er lässt sich ein paar Jahre nach dem Dégorgement gut trinken, verschließt sich dann jedoch wieder und braucht dann einige Jahre im Keller.  

Im Vergleich zu La Grande Année ist die Dosage noch geringer. Jung wirkt er säurebetonter, fester strukturiert und die Aromen gehen in Richtung gegrillter Haselnüsse, Haselnuss und laktischer Käsenoten. Auf lange Sicht erreicht La Grande Année mit entsprechender Reifung das gleiche Niveau. R.D. zeigt im Vergleich alter Jahrgänge etwas weniger Frucht, dafür aber manchmal komplexere Nussaromen.

Vieilles Vignes Françaises

Die Phylloxera Plage wütete in der Champagne seit Beginn des letzten Jahrhunderts. Die Bollingers waren gezwungen die meisten Weinberge in den 20er Jahren auf resistente Wurzelstöcke umzustellen. Es blieben einige wurzelechte Anlagen in Aÿ und Bouzy. Diese verleihen den alten Vintages eine besondere Qualität.

1969 entschloss man sich angesichts der weiteren Ausbreitung der Krankheit, die Mengen immer weiter reduzierte, eine Cuvée herauszubringen, die nur aus Trauben dieser Reben gekeltert wird. 1969 ist auch neute noch überragend. Wegen der kleinen Erträge und der tiefen Wurzeln gibt es vom VVF mehr Jahrgänge als vom Vintage oder Grande Année. 1980 und 1981 etwa sind groß und wurden ansonsten nicht als Jahrgangs Champagner von Bollinger angeboten.

 

y uBollinger WeinbergbesitzBollinger verfügt über fast 178 Hektar eigene Weinberge – eine Ausnahme in der Champagne. Dieser Besitz deckt die gesamte Produktion ab; nur für die Special Cuvée werden Trauben hinzugekauft. In La Grande Année fließen Lagen aus 18 Dörfern ein. Rund 70 % Pinot Noir stammen im Wesentlichen aus Aÿ, Verzenay und Louvois, 29 % Chardonnay aus Avize, Le Mesnil-sur-Oger und Cramant.  

Durch strenge Ertragsreduktion und selektive Lese entsteht der konzentrierte, körperreiche Stil, für den Bollinger berühmt ist. Die Chardonnays sorgen für Frische und Spannung – eine ideale Balance aus Kraft und Eleganz.

Historisch gesehen ist es das Savoir-Faire der Häuser, das den Mehrwert schafft, während der Traubenanbau meist in kleinbäuerlicher Hand liegt. Es wäre für erfolgreiche Häuser einfach, die Weinberge zu kaufen – doch aufwendig, die Pflege großer Flächen effizient und qualitativ hochwertig zu organisieren. Der Vertragsanbauer bewirtschaftet eigenes Land und wird für Trauben bezahlt, sodass seine Motivation ungleich höher ist als die von schlecht bezahlten Lohnarbeitern. Bollinger meistert diese Herausforderung jedoch meisterhaft.

Was trieb Joseph Bollinger dazu, sich um eigene Weinberge zu kümmern? Er erkannte früh die Bedeutung des Terroirs. Lange bevor solche Faktoren überhaupt wahrgenommen wurden, verstand er, dass Aÿ zwar hohe, sichere Reife des Pinot Noir bedeutet, aber gerade in wärmeren Jahren zu reichhaltige Weine erzeugt, denen es an Frische, Ausgewogenheit und manchmal sogar Komplexität fehlen kann. Aus dieser Erkenntnis heraus kaufte er Land im kühleren Grand-Cru-Verzenay – eine Entscheidung, die seine Nachkommen konsequent fortsetzten.

Heute, in Zeiten, in denen Land und Trauben teuer sind, ist es genau dieser Besitz an eigenen Lagen, der es dem Haus ermöglicht, aufwendige, traditionelle Verfahren mit kostenintensiver Handarbeit zu pflegen. Die Fässer werden im Haus hergestellt, die Flaschen von Hand gerüttelt und die Reserveweine nicht in Tanks gelagert, sondern in Magnums unter Naturkorken. Da Trauben nicht teuer bezahlt werden müssen, hat man ganz andere finanzielle Möglichkeiten.

Vinifizierung, Ausbau und Abfüllung


Nur der erste Presssaft wird für La Grande Année verwendet. Nach der Klärung durch Kälte reifen die Grundweine in vierjährigen Holzfässern, um den typischen Bollinger-Stil zu bewahren, ohne übermäßige Holztöne. Die malolaktische Gärung läuft je nach natürlicher Aktivität ab. Jede Parzelle wird separat vergoren, gefiltert wird nur bei der Special Cuvée. Das Hefelager dauert 8 bis 9 Jahre, bei jüngeren Jahrgängen teils etwas kürzer. Die Dosage liegt bei 5 bis 8 g/l – stets im trockenen Bereich.

Der R.D. ist eine identische Cuvée, reift aber 13 bis 15 Jahre auf der Hefe. Früher lagerte der R.D. neun bis zwölf Jahre auf der Hefe, da der Jahrgangs-Champagner noch ein kürzeres Hefelager von sieben Jahren hatte. Die Special Cuvée wird moderner produziert und separat beschrieben.

Die Geschichte des Hauses Bollinger


Jacob Joseph Placidus Bollinger wird 1803 in Ellwangen geboren und zieht 1822 in die Champagne. Dort wird er Jacques genannt. Er ist einer von vielen Deutschen, die sich zu dieser Zeit in der Champagne niederlassen. In Aÿ gründet er mit Athanase-Louis-Emmanuel Hennequin Comte de Villermont und Paul Leviex Renaudin am 6. Februar 1829 das Champagnerhaus Renaudin Bollinger. Jacques heiratet de Villermonts Tochter Charlotte. Obwohl Paul Renaudin ohne Erben stirbt, zeigen die Etiketten bis 1962 den Doppelnamen Renaudin Bollinger.

Seit der Gründung besitzt das Haus einen großen Weinbergbesitz. Athanase de Villermont erbt diese Lagen, nachdem er sich im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als Soldat ausgezeichnet hat. Er erkennt das große Potenzial für den Anbau von Wein, doch Champagner gilt für ihn als keine standesgemäße Beschäftigung. Deshalb lässt er den Herren Bollinger und Renaudin den Vortritt und versteckt sich hinter dem „Cie“.

Jacques’ Enkel Georges und Charles übernehmen 1885 die Leitung des Hauses und kaufen Weinberge in Verzenay und anderen großen Lagen nördlich des Stammsitzes.

Bollinger steht für einen elitären Qualitätsanspruch. Seit 1984 ist man offizieller Lieferant von Königin Victoria.

1918 stirbt Georges und sein Sohn Jacques übernimmt das Haus. Er kauft Weinberge in Tauxières und bleibt weniger bekannt als seine Frau Lily, geborene Emily Law de Lauriston Bourbers, die das Haus nach seinem Tod fortführt. Auf ihre Initiative wird der R.D. als Cuvée mit besonders langem Hefelager eingeführt. Lily sorgt für prominente Marketingauftritte und Bollinger wird auch durch die James-Bond-Filme einem weiteren Publikum vorgestellt.

1971 übernehmen ihre Neffen Claude d’Hautefeuille und Christian Bizot. Ghislain de Montgolfier, Urenkel des Gründers, leitet das Haus seit 1994. Das Haus bleibt weiter im Familienbesitz und zeigt eine bemerkenswerte Kontinuität in Stil, Herstellung und Philosophie.