Persönliche Beratung
Die intensiven fruchtig-nussigen Noten erzeugen von Anfang an ein tiefes Wohlbehagen. Nach einer Stunde legt er noch zu. Haselnuss, Mirabelle, Orangenschale, Apfel, Lebkuchen sind nur einige der komplexen Nuancen der vielschichtigen Aromen Palette.
Am Gaumen trifft mittlerer Körper auf große Konzentration. Die salzige Mineralität und die rassige Säure des Jahrgangs sind bereits harmonisch in einen cremigen Gaumen integriert. Er ist jetzt schon fabelhaft zu trinken – und verspricht für die Zukunft noch mehr.
2008 ist ein Jahrgang der Extreme und der Geduld. Ein kühler, wechselhafter Sommer ließ wenig auf Großes hoffen – doch ein ungewöhnlich warmer September rettete die Ernte und sorgte für perfekte Reife. Da die Septembernächte bereits kalt waren, verbindet 2008 sehr hohe Zuckerwerte mit ebenso hoher Säure. Die langsame Reifung hat komplexe, tiefschichtige Aromen hervorgebracht. Struktur und Säure verlangen nach Zeit – und belohnen wer sie aufbringt.
Innerhalb der Winston-Churchill-Range ist 2008 gemeinsam mit 2002 das stärkste Duo dieses Jahrtausends. Aber auch 2002 ist noch jung.
Wer wirkliche Reife sucht, findet sie bei 1995 oder 1985 in perfekter Form. 1996 und 1999 sind auch noch jung. Winston Churchill entsteht in kleinen Mengen. So sind alte Jahrgänge besonders schwer zu finden und entsprechend teuer.
Die Vinifizierung ist bewusst unspektakulär gehalten – der Tank statt Barrique, keine Showeffekte. Was den Winston Churchill so besonders macht, liegt woanders: in den Reben.
Pol Roger verwendet ausschließlich Trauben von Reben, die vor dem Todesjahr Winston Churchills – also vor 1965 – gepflanzt wurden. Diese Stöcke sind heute mindestens 61 Jahre alt, im Durchschnitt über 80. Alte Reben liefern weniger, aber konzentriertere Trauben mit einer Komplexität und mineralischen Tiefe, die jüngere Anlagen schlicht nicht erreichen.
Stilistisch geht der Winston Churchill einen eigenen Weg: Ohne die oxidativen Noten von Bollinger, ohne die ausgesprochen reduktiven Hefearomen von Dom Pérignon – er steht für sich: Er ist nussig komplex, hat aber fruchtigen Charme. Er ist mineralisch, aber cremig und elegant.
Winston Churchill stirbt neuzig-jährig im Jahr 1965 in London. Es dauert fast 20 Jahre bis man 1984 in Blenheim Palace, dem Stammsitz der Familie, die Cuvée lanciert, die nach ihm benannt ist.
In den 17 Jahrgängen, die auf den 1975er folgen, ändert sich weder an Herstellung noch an Stil viel. Die nussigen Noten haben hier nicht die karge Strenge von oxidativ im Holzfass ausgebauten Champagnern. Haselnuss, Lebkuchen, Zimt und Honig sind in eine charmante Frucht eingebunden. Das Gaumengefühl ist kremig.
Nur die Aufmachung hat sich verändert. Bis zum Jahrgang 1995er sind Flaschen und Etuis schwarz mit goldener Schrift und Ornament. Diese Aufmachung ist ein Zeichen der Trauer um diesen ungewöhnlichen Charakter, der eher zufällig in die Politik geraten ist. Wir zeigen ein Bild des 1979ers zur Illustrierung. Ab 1996 erinnern die Etiketten an die Navy: Dunkelblau mit silbernem und dunkelroten Dekor.
Bei Pol Roger bleibt die Cuvée ein Geheimnis. Christian de Billy - einer der zahlreichen Nachfahren, die für das Haus arbeiten - verrät allerdings, dass man ab 2002 den Anteil des Pinot Noirs auf fast 90 % gesteigert hat.