Pierre Philipponnat gründet das Haus 1910, nachdem die Familie schon seit Jahrhunderten Trauben in der Champagne anbaut. 1935 kauft er die Lage Les Goisses. Sein Neffe René leitet von 1949 bis 1976 als Moët Chef de Cave die Produktion von Dom Pérignon, besitzt aber keine Anteile am Champagnerhaus. Die Familie verkauft dieses 1987. Seit 1999 leitet Renés Sohn Charles Philipponnat das Haus.
Grundlage des Erfolgs sind hochwertige Trauben und ein klarer Fokus auf Terroir und Handwerk. Die Jahrgangs-Champagner haben durch den Ausbau im Holzfass an Qualität gewonnen.
Aber eigentlich ist es nur der Clos des Goisses, der Kenner wirklich interessiert.
Clos des Goisses
Der Weinberg
Die Lage Les Goisses ist nach Süden ausgerichtet. Sie fällt mit einer Neigung von bis zu 45 % zur Marne ab. Hier kann man nicht mit dem Traktor arbeiten.
Neben der intensiven Sonnenstrahlung wird das Licht zusätzlich von der Marne reflektiert. Die Häuser von Mareuil schützen vor dem Ostwind. Auch die Mauern des Clos wirken als Wärmespeicher und Windschutz. Die Trauben erreichen hier fast jedes Jahr eine hohe Reife. Der Clos des Goisses war lange Zeit der erste Champagner mit 13 % Alkohol.
Die Philipponnats kaufen den Weinberg 1935 und erzeugen zum ersten Mal den Vin des Goisses 1935.
Den Namen „Clos des Goisses“ schlägt der Journalist Renaud Boudoin vor. 1959 erscheint Clos des Goisses zum ersten Mal auf dem Etikett.
Der Weinberg umfasst 5,5 Hektar. In der Regel werden etwa die Hälfte der Trauben ausgelesen und kommen nicht in den Clos des Goisses.
Trotz der Wärme sorgt der feine Kreideboden für erstaunliche Frische und Mineralität.
Die Cuvées
Clos des Goisses
In den ersten Jahrzehnten war der Clos des Goisses ein reiner Chardonnay. Allmählich begann man Pinot Noir zu pflanzen.
1964 ist der erste Clos des Goisses mit Pinot Noir enthalten. Der Anteil liegt meist zwischen 60 und 80 %, beim Jahrgang 1996 ausnahmsweise nur 50 %.
Bis 1988 wurde er in gebrauchten Eichenfässern aus Burgund vinifiziert. 1989 bis 1998 werden auch Tanks eingesetzt, 1999 und 2002 sogar ausschließlich.
2001 kauft man neue 225-l-Fässer, die auch heute noch eingesetzt werden.
Der Verzicht auf die malolaktische Gärung und die Mineralität des Terroirs sorgen für viel Struktur – und in der Jugend sogar für eine gewisse Härte.
So ist der Clos des Goisses ein sehr fordernder Champagner. Jung hat er wenig Frucht, sondern eher eine oxidative Nussigkeit. Im Alter entwickelt er ein wunderbares Aromenspektrum.
Heute sollte man eigentlich die Jahrgänge 1979 und früher trinken.
Die Jahrgänge 2009, 2010, 2012, 2013 sind allerdings die beste Serie dieser großen Lage. 2008 ist eher schlank und mineralisch und erfüllt nicht ganz die Erwartungen an diesen mächtigen, konzentrierten Champagner, der zuweilen die 13 % Alkohol erreicht.
Les Cintres
Mikro-Terroir-Cuvée aus alten Reben im Herzen des Clos des Goisses, mit ausgeprägter Mineralität und Struktur. Er ist ein reiner Blanc de Noirs aus Pinot Noir.
Clos des Goisses Juste Rosé
Dieser Champagner zählt zu den besten Rosés der Champagne. Er hat nicht die typischen Erdbeer- und Himbeertorten-Aromen vieler Rosés, sondern ähnelt eher einem prickelnden Pinot-Noir-Wein. Die Farbe ist ein blasses Rosa. Clos des Goisses Juste Rosé hat eine feine Perlage und Aromen von Walderdbeeren, Zitrusfrüchten und floralen Noten. Er wirkt noch purer und hat weniger hefige Noten als der klassische Clos des Goisses.
Die Herstellung von Juste Rosé
Der Rosé-Stil entsteht bei aktuellen Jahrgängen durch kurzes Maischestandverfahren (ca. 18 % der Pinot-Noir-Anteile werden auf der Maische vergoren). Früher kam die Farbe durch Zugabe von Rotwein aus derselben Lage. Die Cuvée ist meist aus etwa 68 % Pinot Noir und 32 % Chardonnay assembliert. Er wird vollständig im Holz ausgebaut, ohne malolaktische Gärung, mit geringer Dosage (ca. 4,5 g/l). Er reift über acht Jahre auf der Hefe. Die Produktion ist auf wenige Tausend Flaschen pro Jahrgang begrenzt.
Bedeutung & Stilistik
Der Clos des Goisses genießt unter Kennern nahezu Kultstatus. Er zählt zu den ganz wenigen Champagnern, die über Jahrzehnte hinweg eine unverwechselbare, kraftvolle und dennoch mineralische Persönlichkeit bewahren. In der Champagne wird er oft in einem Atemzug mit den großen Monopollagen wie Krug Clos du Mesnil, Salon oder Bollinger Vieilles Vignes Françaises genannt – allerdings mit einem deutlich eigenständigeren, fast burgundischen Charakter.
Philipponnat schafft es, extreme Reife und Konzentration mit einer kühlen, salzigen Kreide-Mineralität zu verbinden – eine Kombination, die den Clos des Goisses zu einem der langlebigsten und faszinierendsten Champagner überhaupt macht.